Kurze Gedanken zum Sprachwandel

von Nicky
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Heute nehme ich Bezug zu einem Artikel, den ich eben erst im Netz gelesen habe. Warum? Ich fühlte mich bei der Lektüre an mein Germanistik-Studium und zahlreiche Debatten bezüglich der Grammatik deutscher Sprache zurückerinnert. Mein Beitrag ist demnach einerseits nostalgischer Natur und andererseits will ich mich einfach zu dem Thema äußern und dazu, wie ich die Sache und vor allem den Sprachwandel der vergangenen Jahre sehe.

Als ich das Interview mit Prof. Dr. Vilmos Ágel im Webauftritt der HNA Sieben gelesen habe, fing mein Germanistik-Herz an zu hüpfen. Denn nachdem ich 2013 mein Studium beendet und in die Arbeitswelt eingestiegen bin, rückten die Themen Sprach- und Literaturwissenschaft, die ich doch damals aus Leidenschaft studierte, in den Hintergrund. Schade eigentlich, denn Sprache ist ein äußerst spannendes Phänomen, mit dem ich mich noch immer sehr gerne auseinandersetze. Einige würden jetzt sagen, dass ich mich in meinem Job in einer Online-Redaktion doch täglich mit Sprache beschäftige. Mag schon sein, dass ich mir Texte ansehe und diese für Kunden anfertige, doch das Eintauchen in Sprache und das Auseinandersetzen damit, ist etwas komplett anderes. Deshalb nehme ich diesen Artikel zum Anlasse, genau dies (mal wieder) zu tun.

Wie sagt der Professor so schön?

„Keiner würde sagen: Wegen dieses Scheißes“

Richtig. Und dieser Umstand, dass eben “wegen dem Scheiß” gesagt wird, bedeutet einfach nur Sprachwandel in aktueller Form. Klar lese auch ich es lieber, wenn der Dativ korrekt genutzt wird, doch in viele Fällen haben sich unsere Ohren einfach schon an die neue Art des Ausdrucks gewöhnt, sodass die korrekte Form veraltet (oder klugscheißerisch) klingt. Das ist nicht schlimm, wie ich finde, denn Sprache ist einfach im Wandel.

Das merkt man aber nicht nur beim Dativ, sondern auch bei Nebensätzen, die durch die kleine Konjunktion “weil” eingeleitet werden. Achtet mal beim Sprechen darauf, wie euer Gegenüber die Nebensatzkonstruktion beim Reden tatsächlich verwendet. Richtig wäre es, den mit der Konjunktion eingeleiteten Satz auf einem Verb enden zu lassen:

Ich sehe mir sehr gerne die Werke großer Künstler an, weil ich selbst gerne male.

Im Sprachgebrauch ist aber auch üblich:

Ich sehe mir sehr gerne die Werke großer Künstler an, weil ich male gerne selbst.

Liest sich vielleicht seltsam, ist bei einer Unterhaltung heutzutage jedoch nicht selten und zeigt wieder den Wandel der Sprache. Aber: Solche Auffälligkeiten sind an sich nichts neues, denn schon während meines Bachelorstudiums, das mittlerweile sechs Jahre zurückliegt, haben wir genau solche Satzkonstruktionen untersucht. Als studierte Germanistin fallen mir solche Feinheiten zwar beim Sprechen auf, ich würde sie jedoch nie korrigieren. Denn wenn ich eins im Laufe meines Studiums gelernt habe, dann ist es genauso wie Prof. Dr. Ágel sagt:

“Es ist nicht Aufgabe eines Grammatikers einen sprachlichen Wandel aufzuhalten, der sich auf natürliche Weise entwickelt. Es geht darum, ihn zu beschreiben, zu erklären und zu verstehen.”

Übertrieben gesprochen: Hätten wir den Sprachwandel in den letzten Jahrhunderten aufgehalten, würden wir heute noch immer Alt- oder Mittelhochdeutsch reden und mein Studium der Sprachgeschichte wäre nur halb so spannend gewesen.

Was 1 Mist vong Sprache her

Und wo wir schonmal beim Thema Sprache und Sprachwandel sind: Es stirbt jedes Mal ein kleiner Teil von mir, wenn ich auf twitter, facebook oder instagram solche Kombinationen mit “vong…her” oder “1” lese. Diese Jugendsprache kann man mögen, muss man aber nicht. Es wäre sicherlich auch witziger, wenn man wüsste, dass diese Form der verfremdeten Sprache bewusst genutzt wird, um auf etwas Eklatantes hinzuweisen. Doch die Realität sieht manchmal anders aus und die Autoren wissen vielleicht gar nicht wie dieses oder jenes Wort tatsächlich geschrieben wird. Einige mögen jetzt sagen, der Deutsche hat wieder kein Humor oder ich würde pauschalisieren, das ist jedoch nur meine Meinung. Ich persönlich finde diesen aktuellen Trend weder witzig noch besonders klug. Dass dieses Phänomen jedoch zum Verfall der deutschen Sprache beiträgt, wage ich zu bezweifeln. Das ist einfach ein Sprach-Trend wie jeder andere.

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Erinnert ihr euch noch an das Wort “sitt” als Form der Sättigung durch Getränke, das 1999 im Rahmen eines Wettbewerbs erfunden und als vermeintlicher Versuch, eine Lücke in der deutschen Sprache zu füllen, in den deutschen Wortschatz aufgenommen werden sollte? Tja, das Pendant zu “satt” hat es bis heute nicht in den Duden geschafft und genutzt wird es auch nicht wirklich.

Ich hoffe, dass dieses “vong…her” und “1” ebenfalls in naher Zukunft einfach untergehen werden und aus den sozialen Medien klammheimlich wieder verschwinden. Bis dahin heißt es: Augen zu und durch.

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